Once upon a time in Iron City,...

Hier findet der interessierte Besucher mein Online-Tagebuch über meine Zeit in der Stadt, wo sich der Allegheny und Monongahela River zum Ohio River verbinden...

...in Pittsburgh (Pennsylvania).

Montag, 25. Mai 2009

Chicago – Windy City am Memorial Day

Memento Mori, insbesondere und ausschließlich der amerikanischen Soldaten, die im Einsatz auf der ganzen Welt für das meist weit entfernte Vaterland ihr Leben gelassen haben. Darum geht es kurz zusammengefasst am Memorial Day, einem offiziellen Feiertag über alle Branchen hinweg. Das damit verlängerte Wochenende haben wir für einen 4 Tages-Trip nach Chicago genutzt. Dort durften wir die Bedeutung des Memorial Days für die Vereinigten Staaten live miterleben, doch dazu später mehr.

Chicago verdankt seinen Nickname „Windy City“ der direkten Lage am Lake Michigan, der uns am ersten Tag vor widrigen Winden und Böen verschonte, jedoch am zweiten Tag frei Haus und ohne Bestellung die Bezeichnung rechtfertigte.Die einzigartige Skyline wurde bereits in vielen Filmen verewigt, angefangen von den Gangster Filmen aus der Zeit der "Großen Depression" bis hin zu aktuellen Werken, die für ihre Handlung wirkungsvoll den Charakter der Stadt nutzen.
Mein Richtungsweiser war eher der Film „Blues Brothers“, falls den jemand kennt.

Neben den glänzenden, hochaufragenden Fassaden des Sears Towers und Konsorten findet man in den dazwischen liegenden Schluchten die damalige Leinwand des Films. Seien es nun die rot-schwarzen Ziegelsteinbauten oder die dicht daran vorbeifahrenden Metro-Züge – so sehr sich der Wohlstand auch in den Himmel streckt, am Boden findet man ein ganz anderes Leben. In einer dieser Nebenstraßen hatte ich auch einige unschöne Erlebnisse mit Obdachlosen, doch würde ich das eher dem Zufall und nicht der Stadt zuschreiben, da mir dasselbe in jeder Großstadt hätte passieren können. Trotzdem würde ich empfehlen, nie allein die Schatten dieser Schluchten zu betreten (was ich getan habe, weil ich noch von einem bestimmten Laden was holen wollte). Vom Glück begleitet kam ich ohne größere Probleme heil wieder heraus und verzichtete für den Rest unseres Aufenthalts auf solche Solo-Abenteuer.

Nochmal zurück zu den architektonischen Glanzleistungen Chicagos, die das Herz der Stadt beschirmen. Sie sind für mich der Beweis, dass im Rückblick die Vergangenheit „besser“ aussieht.
Warum ich das sage?

Nun ja, gegen Ende des 19ten Jahrhunderts wurde der Stadtkern Opfer eines tagelangen, verheerenden Feuers, das nichts als Asche und Staub zurückließ. So schmerzlich und tragisch dieses Unglück auch war, ohne es und den darauf folgenden Aufschwung würde es die heute so bewunderten Wolkenkratzer nicht geben. Doch die Zeit geht weiter und mit ihr wechseln auch die Besitzer bzw. Mieter der Prachtbauten. Bestes Beispiel: Der Sears Tower, das höchste Bauwerk der Stadt und ehemals der Welt. Errichtet im Auftrag des Versandhandelskonzerns Sears & Roebuck, der schon vor Jahren aus Liquiditätsproblemen in kleinere Gebäude umziehen musste. Nur der Name des Gebäudes zeugt noch von der einstigen Vision und Macht des Unternehmens.

Nachdem ich der Skyline und den dahinter verborgenen Gesichtern Chicagos hoffentlich genug Tribut gezollt habe, wird es Zeit stramme Haltung anzunehmen und Jubelgeschrei für die amerikanischen Soldaten anzustimmen, derer an diesem Wochenende gedacht wurde.
Wir stolperten auf unserem Weg über die Magnificent Mile geradewegs in die Vorbereitungen einer Gedenk-Parade. Diese bestand aus zig Soldaten-Regimentern der verschiedensten Waffengattungen, von Marine über Heer bis hin zu Spezialeinheiten. Es waren hunderte von ihnen, alle in Uniform, begleitet von eigenen Musikcorps, die den Takt-Schritt vorgaben.
Nachfolgend möchte ich eine Beobachtung weitergeben, wobei mir hier bitte niemand unterstellen möge, ich wäre rassistisch oder dergleichen. Auf meinen Bildern und Videos, von denen ich euch eines für das „real life feeling“ beigefügt habe, ist eine Sache offensichtlich.



Grundsätzlich scheint die Mehrheit des Militärs aus Schwarzen zu bestehen, ich habe fast keine weißen oder sonstwie farbigen Soldaten gesehen. Und es ging nicht nur mir so, auch meine Begleiter bestätigten mir diesen Eindruck. Die wirtschaftliche Vergangenheit mag eine gewisse Rolle spielen, da die Stadt ein zentraler Motor für den US-Arbeitsmarkt war und viele Afroamerikaner aus den ärmeren Südstaaten nach Chicago kamen. Doch im Gegensatz zu den Hauptdarstellern war die Mehrheit der Zuschauer weiß. Es war wirklich krass, die in ihren Uniformen auf der Straße daher marschierenden, dunklen Soldatinnen und Soldaten zu sehen, die von überwiegend hellhäutigen Zuschauern gesäumt wurde.
Außerdem wurde mir einmal mehr deutlich, welche Bedeutung das Militär für die persönliche Zukunft von jungen Menschen besitzt. Ich habe viele ROTC-Einheiten (ROTC ist ein militärischer Zusatzkurs, den Schüler und Studenten wählen können, wobei sie im Gegenzug Stipendien erhalten) mit marschieren sehen, wobei die angehenden Soldaten fast alle jünger waren als ich. Ich betone abschließend nochmal, dass es sich hier nur um eine Momentaufnahme meinerseits handelte und absolut nicht als repräsentativ gilt.

Klar war nach diesem Paradieren und Flaggengeschwenke vor allem eins: USA ohne sein Militär ist wie Oberfranken ohne Bier. Vielleicht ein plumper Vergleich, aber er bezeichnet meiner Meinung nach dessen essentiellen Wert für die amerikanische Kultur.

Abschließend noch ein kleiner Schwenk zum Sport: Die Detroit Redwings haben die Playoff Series gegen die Chicago Blackhawks gewonnen und stehen nun im Finale des diesjährigen Stanley Cups gegen unsere erbittert kämpfenden Pittsburgh Penguins. Ich brauche kaum zu erwähnen, dass es der absolute Wahnsinn wäre, wenn nach dem Gewinn des Superbowls nun auch noch die NHL Trophäe nach Pittsburgh käme…und das beides während meines Aufenthalts. Das wird die kommenden drei Wochen auf jeden Fall spannend.

Let’s go Pens!