Once upon a time in Iron City,...

Hier findet der interessierte Besucher mein Online-Tagebuch über meine Zeit in der Stadt, wo sich der Allegheny und Monongahela River zum Ohio River verbinden...

...in Pittsburgh (Pennsylvania).

Samstag, 24. Januar 2009

Hey, you’re just gonna get started, huh?!

Ich beginne diesen Wochenrückblick mit dem Ereignis, das diese Woche überstrahlt hat: Ich habe endlich die gewünschte Wohnung genehmigt bekommen. Am Mittwoch, dem 21.01.2009, habe ich den Mietvertrag unterschrieben, meine Möbel angeliefert bekommen und das Ergebnis des lokalen Ikea-Furniture Stores in die Höhe getrieben ;). Ich habe jetzt das, was ich in Deutschland nie in dieser Reinform haben wollte: Eine Wohnung im Ikea-Stil :D. Zum Glück sind wenigstens nicht alle Möbel von Ikea, glaube ich zumindest.
Ganz kurz zu diesem schwedischen Moloch: Völlig identisch, dieser Markt, hätte auch sonstwo in Deutschland stehen können, gleicher Aufbau, gleiche Namen (es gibt sogar einen Stuhl namens „Stefan“ ;)), auch das berühmte Billy-Regal türmte sich vor mir in seiner ganzen Pracht auf. Das einzig überraschende war für mich der Abschluss: Hier geht das, wie in vielen Supermärkten übrigens auch, per Self-checkout. Heißt konkret, dass man selbst seine Artikel im Wagen scannt und dann bezahlt. Bei mir hat das leider nicht geklappt, als die Aufsichtsperson meinen vollen Wagen gesehen hat, wurde gleich persönliche Betreuung für mich geordert. Von meiner Checkout-Hilfe stammt auch der Titel meines Posts, ihr könnt euch also vorstellen, wie mein Sortiment ausgesehen hat :).

Zu meiner Wohnung, sie liegt im Stadtteil Shadyside, es gibt Gehsteige (sorry, dass ich das immer wieder erwähne) und befindet sich im achten Stockwerk des einzigen großen Gebäudes in der Gegend.

Die Größe ist im Vergleich zu Deutschland für ein „One Bedroom Apartment“ extrem, es dürften so ca. 70m² sein, alles mit Teppich ausgelegt, der noch nach der Reinigungsbehandlung riecht. Die Küche würde ich als typisch amerikanisch beschreiben, als da wären ein riesiger Kühlschrank (25% der Küche) und ein dazu passendes Eisfach sowie der parallel zum Spülbecken eingebaute Müllschlucker, für alle, die zu faul sind, ihren ganzen Müll zum nächsten Schacht im Treppenhaus zu tragen ;).
Wenn ich es nun noch geschafft habe, eine Social Security Number zu bekommen (nach deren offiziellen System bin ich immer noch nicht in die USA eingereist und ohne diese Meldung geht nichts), dann bin ich endgültig established.

Hatte am Donnerstag und Freitag extrem Stress mit meiner HR-Betreuung wegen zig Formularen, Nachweisen, etc. Keine Sorge, es kommt nun keine weitere Beschreibung der orgastischen Bürokratie, ich schließe dieses Thema mit einem Zitat von Bill Bryson (nochmal danke an Lena, Ute und Davos):
“Despite my best efforts there abounds a terrible myth, which I should like to lay to rest once and for all, that America is an efficient place.
It is anything but.
Partly this is because it is a big country. Big countries spawn big bureaucracies. Those bureaucracies spawn lots of departments and each of those departments issues lots of rules and regulations.
An inevitable consequence is that with so many departments the left hand not only doesn’t know what the right hand is doing, but doesn’t seem to know that there is a right hand.”

Wer sich an den zahlreichen Beispielen erfreuen will, die der werte Autor (gebürtiger Amerikaner, ist als Jugendlicher nach Großbritannien gezogen und dann 20 Jahre später wieder als „Europäer“ zurückgekehrt) aufzählt, der soll sich bitte das Buch kaufen :).

Am Freitagabend war ich mit Kollegen im Hard Rock Cafe, weil uns ein weiterer Ami-Kollege mehr oder minder als Publikum für den Auftritt seiner Band engagiert hat. Wäre aber nicht nötig gewesen, es war eine super Stimmung, bester Southern Rock vom feinsten, der dringend von mir benötigte Ausgleich zum nachdrücklich mit Bass unterlegtem Radiogedudel über Knarren, Autos und Frauen. Leider habe ich meine Kamera vergessen, sonst hätte ich euch die ersten Einblicke in die Partykultur geben können. Sind danach noch weiter in eine „Kneipe“ nebenan. Auch hier, völlig unerwartet ausgezeichnete Stimmung! Es ist schwierig hier die Unterschiede zu beschreiben, aber ich will’s versuchen. So übertrieben und sorglos wie die Amerikaner im sonstigen Leben sind, so auch beim Weggehen, aber hier kommt das richtig gut! Es war ein ganz normaler Abend in dieser Kneipe, kein Event oder so und ich glaube auch nicht, dass alle Anwesenden schlichtweg betrunken waren. Aber immer wieder haben sich willkürlich irgendwelche Leute rumliegende Instrumente geschnappt und irgendwelche Klassiker gespielt. Völlig querbeet von Bryan Adams über Papa Roach hin zu Madonna. Es war nur Schlagzeug und Gitarre, aber die Grundmelodie reichte und der Raum war mit dabei. Dazwischen immer wieder Musik über die bis zum Anschlag aufgedrehte Stereoanlage, bis das ganze auf dem Höhepunkt mit der Hymne der Steelers (Pittsburgh’s Football Mannschaft, die am 01.02.2009 im Superbowl gegen die Cardinals aus Arizona spielen werden. Gegen diesen Event kommt im Moment nichts an, alles im öffentlichen Leben konzentriert sich zu 1.000% darauf, alles ist auf Black and Gold getrimmt) endete, und zwar pünktlich um 02:00 Uhr. Ich weiß nicht, ob es sich hierbei um ein Stadt-, Bundes- oder Landes-Gesetz handelt, aber das ist die allgemeine Sperrstunde, danach macht alles dicht.

Auf dem Weg nach Hause dröhnte mir immer noch der Refrain des "fight song" in den Ohren, den ich euch nicht vorenthalten will:

Here we go,
Steelers,
Here we go,
Pittsburgh's going to the Super Bowl!

Finde diesen Fan-Song aber viel besser als den offiziellen, daher will ich diese "Kids" mal unterstützen:
http://www.youtube.com/watch?v=DkTflRQzCZg

Ihr seht also, welcher Wirbel hier gemacht wird und welches Potential darin steckt....werde nun loslaufen und mir auch ein Steelers Shirt in XXL kaufen (=> Vorausplanend gedacht), sonst redet hier keiner mehr mit mir! ;)

Samstag, 17. Januar 2009

It still snows

Mit dieser Einleitung möchte ich den Eintrag beginnen: Es schneit, noch immer, immer wieder, mindestens einmal täglich für mehrere Stunden und mindestens 10 cm.
Das ist übrigens mein neues Auto, irgendein Standard-No-Name-Chrysler, mit dessen halben Tank ich nun schon mehr Milen geschafft habe als beim Pick-up mit einem voll gefüllten....trotzdem vermiss ich das Vehikel ;).

So sieht mein Auto mindestens jeden Morgen und jeden Abend aus, total eingeschneit, aber so bekommt man wenigstens etwas Bewegung.
Natürlich ist es in USA erlaubt bzw. gibt es keine Vorschrift, dass man Winterreifen auf seinen genutzten Fahrzeugen haben muss oder wie es in Deutschland formuliert ist: Dem Wetter angepasste Bereifung. So komme ich täglich an mindestens zwei Unfällen vorbei, die offensichtlich durch mangelnden Grip und nicht-angepasste Fahrweise verursacht wurden. Wobei man ganz klar sagen muss, dass die örtlichen Behörden hier alles tun, um dem „bösen“ Winter Herr zu werden, indem Tonnen von Streusalz verwendet werden.
Aufgrund der fehlenden Gehmöglichkeiten laufe ich hier nicht viel mehr als vom Auto ins Büro, vom Büro ins Auto, usw. Obwohl das am Tag höchstens 20 m in freier Natur sind, wechseln meine Schuhe immer die Farbe und werden gespenstisch weiß.
Um eine weitere europäische Kontur verschwinden zu lassen, habe ich mich letzte Woche auch hinreißen lassen, morgendlich meinen Autoschlüssel dem Motel-Manager zu geben, der immer seine Runde dreht, um die Fahrzeuge sämtlicher Gäste zu starten, damit diese warm werden.
Auch beim Einkaufen könnte ich jedesmal einen ganzen Laster voller Autos mitnehmen, da die Einkäufer ihren Motor laufen lassen, während der Wocheneinkauf erledigt wird. Ihr könnt euch also vorstellen, welchen Stellenwert hier das Wort „Benzinverbrauch“ hat – KEINEN.

Zumeist um die Mittagszeit kommt die Sonne raus, dann bei strahlend blauem Himmel, ideales Wetter um sich Ski zu schnappen und die Hügel runter zu brettern. Die Straßen verschmelzen zu dieser Zeit mit den darauf fahrenden Fahrzeugen zu einem weißen Strom aus Salzschattierungen. Jetzt wissen wir auch, warum bei den amerikanischen Autos immer mehr Plastik verwendet wird: Das wird vom Salz nicht so angegriffen wie Metall :).

Meine Wohnungssuche ist hoffentlich an einem erfolgreichen Ende angelangt, wobei ich hier ein Parade-Beispiel für amerikanische Kompetenz zeigen möchte.
Bevor ich das Application-Form für meine Wohnung ausfüllen konnte, musste ich selbstverständlich ein Bankkonto besitzen, damit ich mit Schecks (wer sich fragt, was das ist, die Erklärung kommt später ;)) Gebühren, Kaution, etc. zahlen kann.
Ich gehe also in die ortsansässige PNC Bank, werde dort von einem Mitarbeiter direkt an der Tür abgefangen, der mich nach meinem Begehr fragt und anschließend zum verantwortlichen Account-Manager für Neuanträge führt. Ich nehme hier eine Abkürzung und beschreibe nur die Rohform der nächsten 1,5 Stunden. Mein Gegenüber versuchte verzweifelt mir drei Konten (wofür verstehe ich bis jetzt nicht) über das firmeneigene PC-System einzurichten. Nach mehreren Fehleingaben wurde er von seinem eigenen System gesperrt, weswegen er gezwungen war, „jemanden vom Management“ zu holen.
Diese angeblich dem Management angehörende Dame stellte sich als meine Rettung heraus. Sie fragte mich kurz, was ich denn überhaupt will, schnappte sich meine Unterlagen, löste die Sperre des PC-Programms und 10 Minuten später hatte ich meinen Bank Account. Das Problem bestand schlussendlich nicht darin, dass ich Deutscher war (für ausländische Kunden gab es eine eigene Eingabemaske im Programm, das die notwendigen Angaben wie z.B. Reisepass-Nummer, einforderte), sondern dass mein Account-Manager einfach keine Ahnung hatte, was er eigentlich tut. Wäre es nicht unhöflich, hätte ich aus Neugierde am liebsten gefragt, welche Ausbildung er hat und wie er hinter dem Schreibtisch in dieser Bank gelandet ist.

Ich verließ mit sehr zweifelhaften Gefühlen die Bank, da ich nun einen Account mit drei Bankkonten hatte, deren Verwendungszweck sich mir nicht recht erschlossen hatte. Nicht, dass ich nicht gefragt hätte, die Antwort lautete: Ich darf aus allen dreien Geld ausgeben, Dispo-Kredit bekomme ich infolge meines ausländischen Status nicht, daher kein Überziehen möglich, mit meiner noch zu erhaltenden Bankkarte kann ich jedes Mal entscheiden, aus welchem Konto ich bezahlen will.
Aber das ist auch alles völlig unwichtig, ich kann schließlich alle Bankaktivitäten am hiesigen Drive-Through Schalter erledigen (siehe Bild).


Mit diesen mysteriösen Infos im Kopf bin ich dann zur Hausverwaltung meiner hoffentlich zukünftigen Wohnung gefahren. Ich schreibe „hoffentlich zukünftig“ da es hier ähnlich um die Kompetenzverteilung bestellt ist. Ich wurde am Eingang von einem menschlichen Türöffner empfangen, der mich zum Büro des ersten, ich nenne ihn Room-Manager führt, der mich nach dem üblichen "How you're doing" zum nächsten Büro führt, in der eine Dame (ein Application-Manager) sitzt, die meine Bewerbungs-Unterlagen einsammelt und dann final an das Management (hey, wo bin ich hier dann bitte?) schickt, das dann entscheidet, ob ich die Wohnung bekomme oder nicht. Nach dem Ausfüllen der Bewerbung sowie meiner ersten Schecks (hier brauchte ich Hilfe, weil ich mich nicht daran erinnern kann, in Deutschland jemals einen Scheck ausgefüllt zu haben) für Fees und Kaution (obwohl ich die Wohnung noch gar nicht zugeteilt bekommen habe!), verließ ich in noch schlechterer Stimmung das Gebäude.

Zusammengefasst ging es mir nach diesem Tag wie folgt: Ich habe viele Entscheidungen getroffen, die meinen weiteren Aufenthalt maßgeblich beeinflussen werden, konnte aber absolut nicht sagen, ob es gute Entscheidungen waren, ob sie richtig waren oder ob ich nächste Woche mein erstes Gerichtsverfahren einleiten muss, um mein Scheck-Geld wiederzubekommen.
Ach ja, für alle Siemens-Fans: Der Laden ist hier ziemlich unbekannt, nicht mal nach erfolgreichem Buchstabieren (die meisten schreiben es „Simons“) kennen die Meisten meinen Arbeitgeber. So hilft mir leider auch der vielfach gepriesene internationale Siemens-Bekanntheitsgrad nicht, meine Kreditwürdigkeit und Verdienstsicherheit gegenüber Bank und Hausverwaltung zu untermauern.

Ein kurzer Satz noch zur Arbeit: Ich habe am Freitag endlich meinen PC sogar mit funktionierendem Login erhalten, so dass nächste Woche endlich mehr als nur Präsentieren und Zeigen möglich ist.
Meinen SAP-Account erwarte ich so im April, wenn alles gut geht ;).

Ich hatte auch die üblichen Infogespräche seitens Qualität und Sicherheit sowie eine Art Einstellungsgespräch mit der Personalabteilung.
Über das möchte ich doch noch kurz berichten. Irgendwann die Tage, hat ein deutscher Kollege mir gesagt, dass wir froh sein können, wenn wir unseren deutschen Arbeitsvertrag behalten. Jetzt kann ich das aus eigener Erfahrung bestätigen. Ich darf hier echt keinem sagen, wie es um meine soziale Absicherung, meinen Urlaub sowie Kündigungsschutz steht, denn das würde das "deutsche Bild" schwer beschädigen und mich isolieren.
Ich liste euch mal kurz auf, wo wir als "Stammhausinformanden" im amerikanischen System stehen würden:
- 10 Tage Urlaub (Steigerung bis 20 möglich, je nach Dauer der Firmenzugehörigkeit, Maximum nach 18 Jahren erreicht)
- bei Krankheit wird zuerst der Urlaub reduziert, heißt, pro Tag Krankheit kommt ein Tag Urlaub weg. Ist der Jahresurlaub aufgebraucht, wird stufenweise über 4-6 Wochen das Gehalt reduziert bis schließlich auf Null.
- bei krankheitsbedingten Behandlungen durch Ärzte übernimmt Siemens einen Teil der Kosten, was auch wieder von vielen Faktoren abhängig ist. Gezahlt werden muss das ganze aber zuerst durch den Arbeitnehmer, der danach die Zuzahlung seitens des Arbeitgebers beantragen muss.
- aus Gehaltssicht dürfte es ungefähr ähnlich sein, wenn man unsere fundierte Ausbildung samt Erfahrung betrachtet. Rein aus Alterssicht aber dürften wir nur die Hälfte verdienen, siehe oben meine Beispiele zur Kompetenz vieler Angestellter, die nur das wissen, was ihnen gezeigt wurde
- Kündigungen sind bekanntlich kurzfristig möglich, je nach Unternehmen eigene Regelungen über die Kündigungsfrist, die auch von der Firmenzugehörigkeit abhängt.

Das mal als kleine Abhandlung, diese Regelungen sind nach Info von HR im Branchenvergleich überdurchschnittlich GUT!
Da hier Gesetze und Regelungen von Stadt zu Stadt und Bundesstaat zu Bundesstaat variieren, muss das nicht allgemeingültig sein, aber ich kann nur betonen: Schätzt euch glücklich, die ihr in Deutschland unter Vertrag steht!

Aber Hauptsache ist, dass folgendes Bild an jedem, wirklich jedem Schreibtisch liegt oder hängt, neben oder zwischen den Familienbildern, Sportflaggen oder Urkunden:

In diesem Sinne, cya :)

Sonntag, 11. Januar 2009

The Cathedral of Learning

Im Zuge meiner Wohnungssuche war ich heute im Stadt-Zentrum von Pittsburgh. Biege so um die Ecke und stehe plötzlich vor diesem Gebäude: The Cathedral of Learning

Nach anfänglicher Orientierungslosigkeit wies mich eine riesige Widmungs-Tafel sehr schnell darauf hin, dass ich das Zentrum der Universität von Pittsburgh vor mir habe. Da ich mich nicht mit einem Blick von außen zufrieden geben wollte, habe ich einen Eingang zu dem Gemäuer gesucht und auch gefunden. Nach dem Betreten fühlte ich mich etwas an Harry Potter erinnert…

Dunkle Gänge und Winkel, die alle zu einem zentralen Raum hinführen, der heimelig von hoch hängenden Lampen erhellt wird.



Dazwischen vereinzelt Tische und Stühle, an denen auch am heutigen Sonntag Studentinnen und Studenten mit Laptop und Büchern sitzen.



Insgesamt ein sehr beeindruckender Bau, der neben den normalen Lehr-Sälen auch spezielle, wunderschön gestaltete Räume für Kleingruppen bereithält, so z.B. über Armenien oder Indien. Das Bauwerk stammt aber nicht aus der Zeit dieses altertümlichen Baustils, sondern wurde Anfang des 20ten Jahrhunderts errichtet. Als während der Weltwirtschaftskrise die Gelder ausgingen, konnten die Arbeiten nur dank einer Initiative unter Schülern „buy a brick for Pittsburgh University“ fortgeführt und beendet werden.

In direkter Umgebung des Zentrums glaubt man kaum, dass es sich hierbei um einen Großstadtkern handelt.


Diese Häuser gehören zum historischen Pittsburgh, worauf neben der Architektur vor allem eines hinweist: Es gibt Gehsteige :).



Geht man 100 Meter weiter steht man aber wieder vor der Neuzeit. Gerade diese häufigen, schnellen und unvermittelt auftauchenden Wechsel machen Pittsburgh interessant und vor allem ganz anders als europäische Städte. Einen wirklichen Stadtkern um den sich alles drängt gibt es hier nicht, alles hat einfach viel mehr Platz bzw. hat ihn einfach bekommen und behalten.

Genug für heute, der zunehmende Schneefall bei eisigem Wind treibt mich zurück zum Auto, das ich untypisch-amerikanisch ohne laufenden Motor 2 Blocks weit weg geparkt habe.

Samstag, 10. Januar 2009

You're gonna get used to

Meine ersten Tage in Pittsburgh sind vorbei, dazu ein kurzer Rückblick über meine ersten Tage in der Stadt und auf Arbeit.

Auf Arbeit geht momentan noch gar nichts, da es anscheinend sehr schwierig ist, einen Windows-Account für mich zu bekommen. Mein Computer ist angeblich schon da, aber seit unglaublichen fünf Wochen versuchen die Kollegen meinen Login einzurichten. Woran das hängt bzw. wen ich hier "bestechen" muss, damit es endlich vorwärts geht, weiß niemand. Was aber jeder weiß: "Die (unbekannten) Anderen sind schuld" :).

Dagegen hat eine Sache gut geklappt: Ich habe bereits am ersten Tag mein Auto bekommen und zwar stilecht amerikanisch (siehe Bild).
Wenn es schon Sommer wäre, ich mir nen Vollbart stehen lassen würde sowie ein rot-weißes Karohemd samt Cowboy-Hut anziehe, würde ich exzellent zum Auto passen ;). Werde mir wahrscheinlich ziemlich bald ein anderes zulegen, da der Benzinverbrauch einen sogar hier ruinieren kann. Mein toller Pick-up Truck schluckt im Moment so 18l/100 km, was aber leider nicht an meiner Fahrweise liegt, sondern an den teilweise abenteuerlichen, amerikanischen Verkehrsregeln. Außerdem kommt man nirgends zu Fuß hin, selbst für die kürzesten Wege braucht man das Auto, da es keine Gehweg-Infrastruktur gibt.
Laufen heißt in den USA anscheinend, dass man sich kein Auto leisten kann, das beweisen allein die vielen Drive-Throughs. Eigentlich fehlen nur noch Drive-Through Toiletten, dann hätte man alle Bereiche des täglichen Bedarfs abgedeckt ;).
Die nächsten Tage werde ich mir aber das tolle Gefühl amerikanischer Freiheit mit dem Spritfresser noch gönnen :D.

Kurz zum Thema Einkaufen. Also die Preise für frische Sachen wie Obst und Gemüse sind extrem, kommt natürlich immer drauf an, wo man einkauft, aber so im Durchschnitt würde ich schätzen, dass man von doppelten Preisen wie in Deutschland nicht überrascht sein darf. Was dagegen wirklich günstig ist, sind Kartoffel-Chips. Gestern habe ich sogar einen Aldi gefunden, konnte das kaum glauben, dass es diese deutsche Kette (die Amis glauben, dass Aldi aus USA kommt) hier auch gibt. Der Laden hat auch zahlreiche deutsche Importwaren, so z.B. auch abgepacktes Brot aus Deutschland, die Rettung für all die Deutschen hier, die Weißbrot nicht mehr sehen/essen können.

Meine Hauptaufgabe für die nächste Woche ist definitiv, eine Wohnung zu finden. War gestern in einer Studenten-WG und wäre am liebsten rückwärts wieder raus. Ich kann noch nicht beurteilen, ob das der Standard hier ist, aber eine dermaßen veranzte, bruchreife Bude habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Da lebt sichs in Deutschland auf den U-Bahnhöfen besser! Zum Teil liegt das wohl daran, dass die Studenten hier sehr schnell verschiedene Wohnungen durchwechseln, so dass niemand was tut, um die Räume instand zu halten geschweige denn einen Gedanken an Putzen zu verschwenden. So hoffe ich auf mehr Glück nächste Woche.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Zweiter Versuch in die Neue Welt zu kommen

Am 06.01.2009 bin ich dann erneut gestartet, dieses Mal mit einem problemfreien, pünktlichen Flug nach Frankfurt. Von dort ist dann auch on-time mein Flug nach Washington um 12:35 Uhr gestartet.

ENDLICH!!!

Ach so, was ich noch dazu sagen sollte: Lufthansa hatte mich auf den STAR ALLIANCE Partner United Airline umgebucht, so dass ab dem Gate in Frankfurt amerikanisches Englisch angesagt war. Nachdem ich auf meinen Economy Platz saß, war ich so erleichtert, dass ich gleich eingeschlafen bin. Beim Aufwachen habe ich dann mein erstes, amerikanisches Lunch vor mir. Da Flugzeug-Essen nicht repräsentativ ist, lasse ich hier die Bewertung aus ;). Außerdem schwamm ich immer noch auf meiner Endorphin-Wolke, dass ich nun Richtung USA fliege und bisher alles glatt lief.

Jetzt mache ich einen kurzen Zeitsprung: Nach neun Stunden Flug bin ich um 15:20 Uhr Ortszeit im Dulles International Airport angekommen.
Dort musste ich dann ein déjà vu erleben: Vor der Transportation Security Administration (TSA) war wieder eine hunderte Menschen umfassende Warteschlange.

TSA übernimmt neben der Überprüfung der Reisepässe sowie zweier weiterer vom Passagier auszufüllender Formulare namens I-94 und CBP auch die Gepäckkontrolle.
Der dazugehörige Werbeslogan heißt: It’s as easy as one, two, three :D.

Objektiv betrachtet ja, die Schlange wurde durch Eröffnen weiterer Schalter und gut organisiertem Abarbeiten schneller als erwartet aufgelöst. Soviel zu Step One. Dann zum Gepäck, dass natürlich schon längst ausgeladen war. Nach kurzem Suchen (es waren auch hier wieder so an die 600 Leute im Flugzeug gewesen, ful ‘til top wie die Flugbegleiter es nannten). Nachdem ich hier Zeit gut machen konnte, weil ich meine Gepäckstücke recht schnell gefunden und erobert hatte (um mich herum kämpften viele untereinander um ähnlich aussehende Koffer), stand ich vor der Schlange zur intensiven, nach Zufall ausgewählten Gepäckkontrolle (Step Two).
Auch hier Glück, der TSA-Officer checkte nur kurz nochmals die drei vorgenannten Formulare (Reisepasse plus I-94 und CBP-Verzollungserklärung) und winkte mich durch.

Auf zu Step Three, dem Scannen des Handgepäcks sowie meiner selbst, verbunden mit dem Wieder-Einchecken. Auch hier, Unmengen von wartenden Menschen, die zumindest geschickt auf die einzelnen Kontrollposten verteilt wurden. Es dauerte trotzdem ewig, da man solange nicht weiter durfte, bis der Ganzkörperscanner nicht mehr piepste. Heißt konkret, ausziehen was nur geht und keine Sorge, natürlich werden auch hier Frauen und Männer gut getrennt ;).
Als ich auch endlich sicher sein konnte, dass ich bestimmt nichts unnützes, über-flüssiges oder gefährliches (und zwar in dieser Reihenfolge) dabei habe, hetzte ich zum nächsten Board, um nach meinem Anschlussflug von Washington nach Pittsburgh zu schauen: Start in fünf Minuten, am anderen Ende des Flughafens.

Na toll, wieder ein nicht erreichter Flug, wieder Anstellen und warten, um umzubuchen. Statt wie geplant um 17:00 Uhr durfte ich erst um 22:15 Uhr nach Pittsburgh fliegen. Wenigstens noch am gleichen Tag.
Danach gab es aber keine weiteren Hindernisse, ich sitze nun um 01:35 a.m. im Motel Super 8, fast direkt gegenüber meiner künftigen Wirkungsstätte. Bin zwar gespannt auf morgen, aber im Moment formt mein Hirn nur einen simplen Befehl: Schlaf!

Damit gute Nacht! :)

Montag, 5. Januar 2009

Der große Tag...

So, nun hat's bei mir auch endlich geklappt, ich bin pünktlich am 05.01.2009 ins Ausland gestartet...bzw. ich WOLLTE!

An diesem Tag hatte Fr. Holle es in Deutschland so richtig krachen lassen, alles „tief“ verschneit für die hiesigen Verhältnisse.

Mein erster Flug sollte um 09:30 Uhr von Nürnberg nach Düsseldorf (dem Drehkreuz für die die Lufthansa USA Flüge) gehen. Da Düsseldorf aber aufgrund der Wetterverhältnisse den ganzen Morgen über gesperrt war, wurde dieser Flug noch moderat auf 11:30 Uhr verschoben. Warum ich das als moderat bezeichne? Ihr werdet sehen…

In Düsseldorf angekommen, keine Spur mehr von schlechtem Wetter, blauer Himmel und Sonnenschein begrüßte uns. Schnell durch die Abflughalle gehetzt und ja, da steht noch mein Flug nach Chicago, der infolge der Totalsperrung am Morgen auch verschoben wurde und sozusagen genau im Anschluss starten sollte. Check-in mit Passkontrolle fix erledigt, das richtige Gate erwischt, die Leute sind aufgereiht zum Einsteigen, keuchend stelle ich mich hinten an und wollte gerade einen Haken unter dem Punkt „Flug nach Chicago erreichen“ setzen, da kommt von den Gate-Betreuerinnen der Lufthansa die Durchsage: „Dear Ladies and Gentlemen, due to technical problems LH flight from Düsseldorf to Chicago will be delayed for half an hour.“ Okay, dann fliegen wir halt erst um 14:00 Uhr, auch okay. Um diese leidvolle und lange Story etwas abzukürzen, es kamen erst im Halb-, dann im Ganzstundentakt Ansagen, dass es nichts neues gebe, der Flug-Kapitän hat nach wie vor keine Lösung für das/die technische/n Problem/e gefunden, daher kann nicht gestartet werden. Dafür bin ich dem Flug-Kapitän auch dankbar, dass er uns unwissende Lämmer nicht mit einer defekten Maschine über den Atlantik führen will.

Um 17:00 Uhr hat Lufthansa dann endlich eingesehen, dass der eigentlich um 11:00 Uhr startende Flieger heute nicht mehr abheben wird und offiziell die Stornierung verkündet. Nachdem die 500 Passagiere ihr bereits eingeladenes Gepäck wieder hatten, mussten alle an den zentralen Lufthansa-Schalter am Düsseldorfer Flughafen, um nach Ersatz, Übernachtung, etc. zu fragen. Ich habe ein Bild von der Schlange gemacht, die sich um 17:30 Uhr dort gebildet hat. An diesem Punkt muss ich aufpassen, nicht wieder auszurasten, sondern durch das Niederschreiben mit diesem Kapitel abzuschließen. Es ging im Schnitt 3-6 m pro halber Stunde vorwärts, da anfangs nur drei Ansprechpartner (die Standardbesetzung für unproblematische Situationen und nicht für einen, sogar offiziell von der Lufthansa benannten Chaostag, mit zig Flugstornierungen, Umbuchungen und was sonst noch dazu gehört). Ich befand mich hier in recht bunter Gesellschaft, deren Stimmung durch die lange Wartezeit (die meisten waren vernünftigerweise sehr pünktlich zum Einchecken erschienen, also ca. um 9:00 Uhr, um dann um 11:00 Uhr zu fliegen) bereits sehr gereizt und frustriert war. Dies steigerte sich dann über Galgenhumor zu einigen aus meiner Sicht verständlichen Hassausbrüchen gegen die unfähige (um aus Jugendschutzgründen nicht tiefer in den sich hier auftuenden verbalen Abgrund blicken zu lassen) Lufthansa.

Um 21:00 Uhr wurden dann die gepeinigten Lufthansa-Kräfte auf acht Leute verstärkt, da anscheinend endlich erkannt worden war, dass die Menge nicht kleiner wird. Über den weiteren Verlauf gibt’s wenig zu sagen, außer dem Zeitpunkt, an dem ich endlich meine Umbuchung erhalten hatte: 23:55 Uhr.

Diese sah Übernachtung in einem Hotel und Weiterflug am nächsten Tag um 08:15 Uhr vor. Hieß für mich, kein Ausschlafen, sondern die paar Stunden Schlaf nehmen und hoffen.