Ich beginne mit dem initiierenden Ereignis: Ich war heute im Ballet. Klingt unglaublich und ich gebe auch zu, dass ich in Deutschland nie auf die Idee gekommen wäre, für klassisches Ballet Geld auszugeben. In diesem Fall trägt einer meiner Homies die Verantwortung, da sein Roommate in dieser Dance Show dabei ist und ihm wie auch immer die Zusage abgerungen hat, dass er eine Aufführung besucht. Wir kamen gerade noch rechtzeitig an, da wir natürlich so nah wie möglich am Byham Theater parken mussten, wie nur möglich. Der Beginn war dann auch wirklich wie von mir erwartet: Klassisches Ballet mit entsprechender musikalischer Untermalung. Was nicht heißen soll, dass es schlecht war. Ich habe großen Respekt vor der Leistung der Tänzerinnen (es gab nur einen männlichen Tänzer inmitten von sechzehn Akteuren), da ich weder das Balancegefühl noch die gymnastische Performance zu Wege bringen könnte. Aber davon abgesehen sehe ich wenig Unterhaltungswert in Figuren und Bewegungsmustern wie nachfolgend abgebildet:


Nachdem ich schon zu bereuen begann, dass ich mitgegangen bin, kam ein kapitaler Umbruch in der Musik. Vorbei war das seichte Geklimper und sanfte Streicheln der Seiten.
Schnellerer, kraftvoller Rhythmus gepaart mit denselben Instrumenten wie vorher, deren Bedienmannschaft wohl ausgetauscht worden war. Plötzlich war Leben auf der Bühne, was sich auch schnell im Zuschauerraum wiederspiegelte. In Deutschland habe ich bisher nicht eine dermaßene Ausgelassenheit (Atmosphäre wie bei einem Fußballspiel im Stadion) und Anteilnahme (einfach aufstehen, Stuhl hochklappen und "tanzen") des Publikums erlebt. Das Finale bestand dann nur aus Trommelrhythmen (der Schlussteil hieß bezeichnenderweise „The Hunt“), dazu die indianisch geschminkten Schönheiten mit einer Performance, die Jagdszenen darstellten (habe sogar ich erkannt :)).
Einfach spitzenklasse, die Kostüme, die Choreographie und die Einzelleistung, die sich zu einem fantastisch furiosen Ganzen formten.
Warum ich das nun alles erzähle? Hier komme ich zum Ausgangspunkt zurück. Meiner vorgeprägten Meinung nach werden Amerikaner als ungebildet, wenig bewegungsfreudig (um nicht zu sagen unsportlich) und zu Fettleibigkeit tendierend dargestellt.
Diese Balletgruppe ist sicher kein Messpegel für die Allgemeinheit, aber es brachte mich zum Nachdenken, wie es denn wirklich ist. Tagtäglich auf dem Weg zur Arbeit und zurück sehe ich unzählige Jogger, viel mehr als Deutschland, Joggen ist hier der individuelle Nationalsport. Ganz im Sinne des Grundwertes „Freiheit“, einfach Schuhe an und los geht’s. Die Fitness-Studios sind generell gut gefüllt und statt eine Ich-AG für sinnlose Internet-Technik zu eröffnen wäre das eine Geschäftsidee mit risikoloser Zukunft.
Für Kultur ist selbst in der Kleinstadt Pittsburgh durch zahlreiche Einrichtungen gesorgt, Hauptmotor ist klar die Universität, die ein regelmäßiges Programm für Aufführungen jedweder Art und Kunstrichtung anbietet.
Bezüglich Übergewicht, also hier kann ich nur für Pittsburgh sprechen, weil ich die Bevölkerung dieser Stadt jeden Tag sehe und erlebe (also nicht nur ein spontaner Besuch in einer Schnell(fr)ess-Einrichtung sonstwo), daher würde ich sagen, dass es bei weitem nicht so extrem ist wie dargestellt wird. Was ich auf Arbeit auch immer wieder zu hören bekomme, dass wir Deutschen so klein und dünn wären. Okay, ich bin nicht besonders groß und habe eine „normale“ Figur. Im Vergleich zu meinen einheimischen Kollegen passt „klein und schmächtig“ damit auf jeden Fall. Wobei ich mich ehrlich bemühe, diesem Umstand entgegenzutreten, indem ich die Gym Truppe regelmäßig begleite…auch wenn ich es in diesen paar Monaten nicht schaffen werde, 100 Pfund mit einer Hand hochzuwuchten….und das 12-mal hintereinander ;). Gutes Stichwort, damit verabschiede ich mich zum Trainieren, wo man selbst um diese Zeit genauso viele Leute wie am Tag trifft.
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