Ich habe es dem einen oder anderen schon erzählt, dass ich es mittlerweile bereue, dass die Ziele und Aufgaben für meine Zeit in Blitzburgh (diesen Namen habe ich gestern Abend im Zusammenhang mit etwas anderem gesehen, dazu weiter unten mehr) so konkret abgesteckt wurden. Überstunden und Mehrarbeit sind ja nichts neues, aber dass ich in den Monaten Januar und Februar so nebenbei 133 Überstunden aufgebaut habe, zeigt mir zu deutlich, wo meine Wochenenden und Abende geblieben sind. I’m totally swamped trifft es am ehesten und wenn ich morgen heimfliegen würde, müsste ich wahrheitsgemäß antworten, dass ich außer Pittsburgh noch nichts vom Land gesehen habe.
Nachdem das aktuelle Wochenende endlich mal wieder für mich arbeitsfrei war, hoffe ich den Turnaround geschafft zu haben, dass trotz der bereits angelaufenen Budgetplanung FY2010 sich diese Serie nicht fortsetzt. Meine Planung steht mittlerweile, dass ich im April nicht im Büro erscheinen werde. Diesen Monat kann ich schon fast allein durch meine Überstunden freinehmen.
In diesem Zusammenhang ein kurzer Kommentar zu unserer „Vertrauensarbeitszeit“ und den daran gekoppelten Gleitzeitkonten.
Meine amerikanischen Kollegen tragen selbst ihre Arbeitszeiten in das offizielle Stundenschreibungs-Tool ein und bekommen jede über Soll geleistete Stunde sofort ausbezahlt. Sobald gewisse Grenzen überschritten bzw. nachts oder am Wochenende gearbeitet wird, gibt es eine zusätzliche Vergütung, die dann das 2,5-fache des normalen Verdienstes beträgt. Ich weiß nicht, ob wir in Deutschland vergleichbare Regelungen haben, aber auf diese Weise zahlt es sich für die Kollegen aus, die für amerikanische Arbeitnehmer üblichen „Pflicht-Überstunden“ zu machen…für mich leider nicht. Da es keine besondere Genehmigung braucht, um am Wochenende zu arbeiten, wundert es mich auch nicht, dass viele am Sonntag von zu Hause spontan ein paar Mails schreiben….so nach Motto, wenn sonst nichts geht.
Genug zu dieser Misere, die geht hoffentlich dem Ende entgegen wie auch die kalte Jahreszeit. Gestern hatte es hier unglaubliche 50 Grad Fahrenheit. Dieser Umschwung war kaum zu glauben, hat aber perfekt zum gestrigen Event gepasst:
Dem Leprechaun Lap. Bevor ihr nun zu Leo.dic.org hüpft, es ist ganz einfach ein Pub Crawl, eine intensive Bar Tour, die den Auftakt für den St. Patrick’s Day bildet. Ganz kurz beschrieben geht es darum, um 14:00 Uhr mit Trinken anzufangen, ein Minimum von zehn Bars durchzumachen (die Harten schaffen die teilnehmenden zwanzig Bars) und das bis spätestens 22:00 Uhr, weil dann die Aktion vorbei ist…ich vermute, dass aus gesundheitlichen Gründen diese Grenze eingeführt wurde. Ich habe, glaube ich, schon mal erwähnt, dass hier spätestens um 02:00 Uhr morgens alles schließen muss und zwölf Stunden ununterbrochen trinken hat wohl in der Vergangenheit zu viele Opfer gefordert ;).Jedenfalls sind wir an diesem traumhaften, ersten warmen Tag des Jahres pünktlich gestartet und hatten unser erstes Pint um 14:15 Uhr in der Hand. Da wir eine weite Strecke vor uns hatten und möglichst viel sehen/erleben wollten, kam von unserer „Gruppenleitung“ spätestens nach einer dreiviertel Stunde die Order „Drink up, gotta go“.
Was ich so nebenbei noch erwähnen sollte: Diese Aktion fand in der Southside statt, eine Gegend in der es nichts anderes gibt als Bars, Kneipen und was sonst dazu gehört (z.B. Tattoo/Piercing Läden, die an diesem Tag bestimmt gut Umsatz gemacht haben ;)). Eine ewig lange Straße, die eine schier unendliche Auswahl an Locations bietet und kein Ende zu nehmen scheint. Ich kann gleich im Voraus erwähnen, dass selbst wir das Ende nicht erreicht haben.
Am eigens von einer Promotion Company ausgerufenen „Leprechaun Lap“ haben jedoch nicht alle Bars teilgenommen, was aber für uns kein Grund war, nicht auch dort Halt zu machen. Rückblickend bin ich der Meinung, dass wir mehr Bars außerhalb statt innerhalb der Teilnehmerliste besucht haben.
Das Tageslicht nahm auch sehr schnell ab, während es in der Southside immer grüner wurde, so richtig nach Motto: In einer Woche sind wir alle Iren ;).
Über den Verlauf des Abends brauche ich nicht viel schreiben, wer sich darunter nichts vorstellen kann, ist gerne eingeladen mich zu besuchen und eine persönliche Tour zu bekommen.
Die Stimmung war spitzenklasse und freue mich schon auf den Höhepunkt nächsten Samstag, wenn die offizielle St. Patrick’s Day Parade stattfindet, in deren Anschluss es wieder heißen wird: Let’s go party!
Den Samstagabend haben wir pünktlich beschlossen, um kurz nach 22:00 Uhr war ich daheim…und dann kam die Nacht.
Um zwei Uhr wurde ich von Lärm (=infernalisches Geschrei, laute Musik) in der Nachbarschaft geweckt, wo sich die Feierlichkeiten anscheinend fortgesetzt haben. War mir anfangs kaum vorstellbar bei den strengen, polizeilichen Regularien bezüglich Ruhestörung und Trinken in der Öffentlichkeit, da kennen die keine Gnade oder Verständnis. Diskussionsversuche werden mit Handschellen beantwortet, besonders wenn man „intoxicated“ erscheint. Jedenfalls hatte ich unerklärliche Schwierigkeiten vom Bett aufzustehen und zum Fenster zu gelangen. Habe dann das einzig richtige gemacht, bin liegen geblieben und hab weitergepennt. Scheint so, als hätte mich der Alkohol erst vier Stunden später erwischt :D. Die Gruppenregeln haben damit vollauf den Tauglichkeitstest bestanden.
Ganz kurz noch ein Abstecher zum Sport. Wir waren letzte Woche bei einem örtlichen College-Basketball Game im Petersen Event Center. Es spielten die Pittsburgh Panthers gegen das Team aus Marquette.
Die ganze Atmosphäre, der Enthusiasmus und die aktive Teilnahme des Publikums am Spiel unterstrich zum wiederholten Male die Sport-(Zuschau-) Begeisterung der Amerikaner. Und das nicht auf Altersklassen beschränkt, um uns herum fanden sich Menschen aus allen Altersgruppen bis hin zu Opas/Omas um die achtzig.
Das Endergebnis war das einzig richtige, daher kann ich’s erwähnen: Die Panthers haben überlegen gewonnen.
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