Once upon a time in Iron City,...

Hier findet der interessierte Besucher mein Online-Tagebuch über meine Zeit in der Stadt, wo sich der Allegheny und Monongahela River zum Ohio River verbinden...

...in Pittsburgh (Pennsylvania).

Montag, 16. Februar 2009

Rosa Drogen und Faszination Blech

Ich hoffe das wird der einzige Eintrag, in dem ich das Thema „Erkältung“ erwähne. Mich hat’s vor zwei Wochen extrem erwischt, die volle Bandbreite von Kopfschmerzen, Schnupfen, Husten und ganz besonders Halsschmerzen.
Während ich diesen Post hier schreibe bin ich alles losgeworden außer den Halsschmerzen, die dafür sorgten, dass an einigen Tagen meine Stimme sehr verschiedenen Volksstämmen hätte angehören können. Das „positive“ an dieser Situation ist, dass ich euch nun einen Einblick in amerikanische Behandlungsmethoden geben kann.
Nachdem die Symptome sich täglich verschlechterten, kam bald von den Kollegen der Hinweis, dass mich die American Flu erwischt hat. Das wäre auch so erwartet worden, weil ich schwacher Europäer gegen amerikanische Viren keine Chance (sie meinten wohl Antikörper ;)) hätte. Von solchen Experten umgeben, stellte ich natürlich die Frage, welche der unzähligen, frei erhältlichen Mittelchen in der nächsten Drive-Through Apotheke denn dagegen helfen würden. Hier gehen null Punkte an die Männer, die sich ihre Arzneien immer vom „schwachen“ Weib kaufen lassen, weil sie selbst grundsätzlich nie welche brauchen. So bekam ich dankenswerterweise von einer Kollegin eine kleine Liste mit Medikamenten, die ich mir auf dem Nachhauseweg besorgte. Einen Beipackzettel zu den Inhaltsstoffen wie in Deutschland gibt es nicht, es stehen alle wichtigen Hinweise zur Einnahme und Überdosierung auf der Verpackung.

Grundsätzlich lief es immer auf folgendes hinaus: Wenn Sie an der Einnahme der Tabletten sterben, sagen Sie bitte nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt, damit Einreichung einer Klage gegen das Pharmazie-Unternehmen zwecklos.

Mittlerweile war ich ziemlich verzweifelt und dachte mir nur noch, runter mit dem Zeug und ab ins Bett. Mitten in der Nacht (ich glaube meine Augen entzifferten, dass es kurz vor vier Uhr morgens war) weckte mich mein Körper mit dem dringenden Bedürfnis, seinen Mageninhalt mit den kostbaren Erkältungsmitteln loszuwerden. Nach einer Stunde Quälerei hatte ich mich soweit, dass ich ohne Erbrechen weiterschlafen konnte. Am Morgen fühlte ich mich zusätzlich zu meiner Cold total verkatert. Doch dazu waren ja die „Guten-Morgen“ Pillen dabei, die meiner Meinung identisch mit denen für die Nacht waren. Jedenfalls war die Wirkung dieselbe: Um die Mittagszeit war ich auf der Toilette und habe leider erfolglos versucht, das Zeug aus mir rauszubekommen. Auf Rückfrage bei meiner Tabletten-Beratung bekam ich dieses Mal die Empfehlung für ein Getränkepulver, das man so heiß wie möglich trinken sollte...keine Sorge, ich habe mir nicht die Zunge verbrannt. Dieses Mal habe ich zwar die Nacht durchschlafen können, aber morgens war es dasselbe, ich kam mir vor, als hätte ich nur kurz geschlafen und stattdessen meinem Hirn die ganze Nacht Black Beats mit unendlich Wodka Bull ausgesetzt.
Meine Entscheidung lautete daraufhin, dass ich keines der Medikamente weiter nehme, bevor ich nicht weiß, was ich mir damit verabreiche. Eine etwas kompliziertere Recherche im Internet lieferte ein frustrierendes Ergebnis: Eigentlich hatte ich nur Ibu 600 (für die Unwissenden: Ein hoch dosiertes Schmerzmittel) in doppelter Dosis sowie einen Hustenblocker zu mir genommen. Danke für diesen Trip Amerika, jetzt weiß ich wenigstens unter welchem Vorwand ihr euch die Dröhnung gebt, von wegen „ich bin erkältet“ ;).

Ein kleiner Sprung nun zum Kitsch-Event des Jahres: Valentine’s Day. Ich dachte, dass es in Deutschland schon schlimm genug ist, aber wenn es um billigen Ramsch in Rosa geht, ist uns Amerika um einiges voraus. Welchen Stellenwert diesem Tag hier von der Wirtschaft gegeben wird, wurde mir beim Einkaufen am Samstag auf tragische Weise bewusst. Ich wollte mich gerade in die ewigen Warteschlangen vor den Kassen einreihen (am Samstag sind selbst die Self-Checkouts überlaufen), da sah ich meine Rettung: Eine einzige Kasse war völlig verwaist, vermutlich gerade neu eröffnet.
Mit einem tollkühnen Manöver hechtete ich in deren Richtung….bis mich ein Schild stoppte: Only for Valentine’s Day Shoppers.
Waaaaaaaahhhhhhhhhhh, reicht es nicht, dass ganze Gänge von Gemüse, Obst und Brot dem süßen, rosa Bär samt Schleife und lieblos beschrifteten Luftballons in Herzform weichen mussten, nein, es wurde extra eine Kasse dafür freigehalten. Während meiner 15 Minuten Wartezeit für uns 0-8-15 Einkäufer passierte nur ein einziger Kunde die Valentine’s Kasse. Wobei ich unterstelle, dass er das mit einer Halbwertszeit von maximal drei Tagen versehene Herzchen nur aus Verzweiflung gekauft hat, damit er sich nicht hinten anstellen musste. Ich fragte mich nur noch eins: Warum bin ich nicht auch so schlau gewesen?

Den krönenden Abschluss für diese Woche und auch für diesen Eintrag bildet mein Besuch der Pittsburgh Autoshow. Aufgepasst Männer, so brettern wir in der kommenden Saison über die Highways, zumindest wenn es nach USA geht :).

Die deutschen Hersteller Mercedes, BMW, Porsche, VW und Audi waren eher unterrepräsentiert, besonders VW und Audi haben mich sehr enttäuscht.
Was ich VW dennoch zugestehen muss, ist die durchgängige Slogan-Linie: „Das Auto“ ist auch hier in USA präsent, außerdem waren es seit ich hier bin die ersten Fahrzeuge mit Handschaltung.
Der Besuch am VW-Stand hat meine bisherigen Beobachtungen bestätigt, was Motorisierung und Fahrergruppe angeht: Unter 2,5l Motor gibt es nichts und anscheinend sind VWs so richtig süß, weil ich nirgendwo mehr Frauen um und in den Fahrzeugen gesehen habe. Besonders der niedliche Touareg scheint das optimale Beförderungsmittel zum Einkaufen zu sein. Ist auch irgendwo klar, schließlich wiegt dieses Fahrzeug nur 1,7 Tonnen und hat als Standard einen putzigen V6 Motor.

Grundsätzlich musste ich feststellen, dass ich mich mittlerweile an amerikanische Ausmaße gewöhnt habe. Selbst der 7er BMW und die Mercedes S-Klasse waren mir „zu klein“ :).

Daher gleich zu den Unnötigkeiten der amerikanischen Hersteller Cadillac und Dodge, den aus meiner Sicht absoluten Highligts der Ausstellung.
Bei Cadillac glänzte das Ungetüm Escalade, von der Zielgruppe her ein Familien-Van, die aber zumeist schon wegen des Preises eher selten an diesem Wagen stehen blieben. Dafür ist der Escalade ein Magnet für angehende Gang-Gründer, die damit für jeden Ride durch die Hood mit ihren Homies gerüstet wären. Weitere sich bietende Verwendungsmöglichkeiten sind Umrüstung in mobiles Kino oder FBI-Einsatzfahrzeug, da mindestens 11 Agenten samt Ausrüstung Platz hätten.

Gehen wir weiter zu Dodge, mit den laut Werbespot neuerdings Vulkan-tauglichen Dodge RAM.

Da ich nicht vorhabe, einen Vulkan von innen zu besichtigen (einfach weil ich mir das Auto nicht leisten kann), führe ich euch zu dem daneben stehenden 6,1l Kraftprotz, bekannt aus vielen, sinnlosen Actionfilmen: Der Dodge Hemi


Insgesamt betrachtet war auf der Ausstellung eines nicht sichtbar: Der Schwenk auf ressourcensparende Fahrzeuge. Zwar hingen an jedem Fahrzeug die Angaben zu Miles per Gallon, aber gemessen daran, was die potentiellen Kunden an einem Fahrzeug interessierte, gehörte diese Information ins unwichtige Kleingedruckte.
Die einzig ausgestellte Alternative zum normalen Benziner waren Flexfuel Fahrzeuge, die neben Normalbenzin auch mit Ethanol 85 gefüttert werden können. Ich habe mal kurz recherchiert: Es gibt in Pittsburgh keine Tankstelle, die Ethanol anbietet, vom Verbrauch her macht es auch keinen Unterschied, aber hey, es gibt zumindest eine angeblich umweltfreundlichere Alternative.

Ich beende diesen Ausflug mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Einerseits einfach cool, dass es solche Muscle-Cars gibt, die mit ihrer protzigen Power perfekt in dieses Land und seinem Image von Freiheit/Überlegenheit passen.
Andererseits ist es erschreckend, wie wenig auf Natur und Umwelt geachtet wird. Bin gespannt, wie sich dieses Thema unter Präsident Obama entwickelt, vorerst denke ich, bleibt alles beim Alten, da er wohl kaum seinen Landsleuten den „letzten“ Spaß verderben will/kann. Momentan bekommt die amerikanische Automobil-Industrie verstärkt Unterstützung durch die Stimulus-Pakete der Regierung...außerhalb USA werden diese Maßnahmen auch als Protektionismus gesehen.

Das war Steven D., für Sie exklusiv und live von der PIT Autoshow, die leider nur für Kriegs-Veteranen ermäßigte Eintritte gewährte :).

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