Dieses blutige Ereignis Anfang Juli 1863 leistete seinen eigenen, erheblichen Beitrag für die Entwicklung der heutigen USA. Hier nahm der von 1861 bis 1865 währende Bürgerkrieg zwischen den aus der Union der Vereinigten Staaten ausgetretenen Südstaaten – der Konföderation – und den in der Union verbliebenen Nordstaaten seine entscheidende Wende.
Gettysburg liegt im Herzen von Pennsylvania, eingebettet in die hügelige, grüne Landschaft und erscheint als verschlafenes Städtchen. Die ganze Gegend wurde im Gedenken an die Schlacht zum Gettysburg Military Nationalpark erklärt. Neben den geführten Touren kann man sich auch selbst auf den Weg machen, indem man typisch amerikanisch mit dem Auto einer vorgegebenen Beschilderung folgt.
Auf meinem Weg zur ersten Station begegnete ich einmal mehr einem Zeugnis des deutschen Einflusses in Pennsylvania. Auch in Gettysburg haben deutsche Einwanderer etwas hinterlassen, in diesem Fall ihre Religion und in Stein gehauen den berühmtesten Reformator und Initiator der evangelischen Konfession:
An diesem Tag fand ich noch weitere deutsche Vermächtnisse, schier unzählige, für jedermann sichtbar und in Steintafeln geritzt. Doch dazu später mehr.
Die Vereinigten Staaten hatten nach den Kriegen um ihre Unabhängigkeit von den europäischen Kolonialmächten und dem internen Sezessionskrieg keine größeren Kampfhandlungen innerhalb der eigenen Grenzen.
Vielleicht befindet sich gerade deswegen Gettysburg noch immer im Bewusstsein der Amerikaner, denn trotz eines eindeutigen Gewinners mussten an dieser historischen Stätte zahlreiche Kompromisse gefunden und umgesetzt werden. Schließlich galt es die Tatsache zu verarbeiten, dass es selbst im tapfersten und besten Land der Erde klare Gewinner und Verlierer gibt. Ich gebe zu, dass ich es etwas überspitzt ausdrücke, doch fand ich es interessant, wie man damit umgegangen ist.
Ein Weg war wohl, dass beide Seiten auf heroische Weise einzelne Errungenschaften und gewonnene Scharmützel darstellen durften und der gefallenen Helden in Form monumentaler Denkmäler erinnern.
Hieraus ergibt sich für mich eine abschließende Frage: Ist dieser große Kompromiss ein Erfolg? Glauben die US Bürger landesweit daran und haben die Vergangenheit verarbeitet?
Um es gleich vorweg zu sagen, ich habe darauf keine Antwort. Es gibt sowohl Zeichen dafür als auch dagegen, so dass mein Fazit lautet, dass die Spaltung der Vereinigten Staaten in zwei Teile und deren Wiedervereinigung durch diesen Jahre dauernden Krieg lang vergangen ist. Die Folgen dieses Konflikts sind jedoch sichtbar und beeinflussen wenn auch unbewusst das Leben der Menschen. Generell gehört „The Lost Cause“ (=Niederlage der Konföderation) sicher nicht zu den Alltagsthemen, was aus meiner Sicht besonders denjenigen zu verdanken ist, die im Sinne der Verbrüderung und Heilung der Trennung beständig darauf hinarbeiteten, auf beiden Seiten Ruhm und Ehre ohne Unterschied anzuerkennen und zu bestätigen.
Ich möchte diesen Ausflug in die Vergangenheit mit dem Beweis meiner anfänglichen Andeutung beenden.
Rund um das Pennsylvania Memorial finden sich die Gedenktafeln der gefallenen Soldaten, soweit bekannt. Eine dieser Steinplatten findet ihr nachfolgend abgebildet.
Ich habe Gettysburg eingangs als „verschlafen“ bezeichnet.
Es ist eine Stadt, die dem Gedenken und der Erinnerung gewidmet ist, ein wahres „home of the brave“ für die damals Gefallenen.