Once upon a time in Iron City,...

Hier findet der interessierte Besucher mein Online-Tagebuch über meine Zeit in der Stadt, wo sich der Allegheny und Monongahela River zum Ohio River verbinden...

...in Pittsburgh (Pennsylvania).

Samstag, 6. Juni 2009

Gettysburg – It was all my fault

It was all my fault – Es war alles mein Fehler. Dieser Satz stammt von General Lee, dem Befehlshaber der konföderierten Südstaaten-Armee, als er nach Tagen des Kampfes und angesichts brutaler Verluste seine Niederlage in der Schlacht in und um Gettysburg einsehen musste.
Dieses blutige Ereignis Anfang Juli 1863 leistete seinen eigenen, erheblichen Beitrag für die Entwicklung der heutigen USA. Hier nahm der von 1861 bis 1865 währende Bürgerkrieg zwischen den aus der Union der Vereinigten Staaten ausgetretenen Südstaaten – der Konföderation – und den in der Union verbliebenen Nordstaaten seine entscheidende Wende.

Gettysburg liegt im Herzen von Pennsylvania, eingebettet in die hügelige, grüne Landschaft und erscheint als verschlafenes Städtchen. Die ganze Gegend wurde im Gedenken an die Schlacht zum Gettysburg Military Nationalpark erklärt. Neben den geführten Touren kann man sich auch selbst auf den Weg machen, indem man typisch amerikanisch mit dem Auto einer vorgegebenen Beschilderung folgt.

Auf meinem Weg zur ersten Station begegnete ich einmal mehr einem Zeugnis des deutschen Einflusses in Pennsylvania. Auch in Gettysburg haben deutsche Einwanderer etwas hinterlassen, in diesem Fall ihre Religion und in Stein gehauen den berühmtesten Reformator und Initiator der evangelischen Konfession:


An diesem Tag fand ich noch weitere deutsche Vermächtnisse, schier unzählige, für jedermann sichtbar und in Steintafeln geritzt. Doch dazu später mehr.
Die Vereinigten Staaten hatten nach den Kriegen um ihre Unabhängigkeit von den europäischen Kolonialmächten und dem internen Sezessionskrieg keine größeren Kampfhandlungen innerhalb der eigenen Grenzen.

Vielleicht befindet sich gerade deswegen Gettysburg noch immer im Bewusstsein der Amerikaner, denn trotz eines eindeutigen Gewinners mussten an dieser historischen Stätte zahlreiche Kompromisse gefunden und umgesetzt werden. Schließlich galt es die Tatsache zu verarbeiten, dass es selbst im tapfersten und besten Land der Erde klare Gewinner und Verlierer gibt. Ich gebe zu, dass ich es etwas überspitzt ausdrücke, doch fand ich es interessant, wie man damit umgegangen ist.
Ein Weg war wohl, dass beide Seiten auf heroische Weise einzelne Errungenschaften und gewonnene Scharmützel darstellen durften und der gefallenen Helden in Form monumentaler Denkmäler erinnern.
Ein weiteres Mittel sehe ich in der Art und Weise der Darstellung und Beschreibung des Schlachtverlaufs. Unabhängig vom Ausgang wird an jeder Station beiden Seiten die Eigenschaft zugesprochen für die Zukunft der USA zu kämpfen und zu sterben, ja, teilweise erschien es mir, dass beide Parteien identisch in Ziel und Strategie zur Erreichung waren. Beide hatten visionäre Strategen und Generäle, tapfere Soldaten und Kämpfer...und beide hatten Verluste und litten Schmerz und Tod.

Hieraus ergibt sich für mich eine abschließende Frage: Ist dieser große Kompromiss ein Erfolg? Glauben die US Bürger landesweit daran und haben die Vergangenheit verarbeitet?

Um es gleich vorweg zu sagen, ich habe darauf keine Antwort. Es gibt sowohl Zeichen dafür als auch dagegen, so dass mein Fazit lautet, dass die Spaltung der Vereinigten Staaten in zwei Teile und deren Wiedervereinigung durch diesen Jahre dauernden Krieg lang vergangen ist. Die Folgen dieses Konflikts sind jedoch sichtbar und beeinflussen wenn auch unbewusst das Leben der Menschen. Generell gehört „The Lost Cause“ (=Niederlage der Konföderation) sicher nicht zu den Alltagsthemen, was aus meiner Sicht besonders denjenigen zu verdanken ist, die im Sinne der Verbrüderung und Heilung der Trennung beständig darauf hinarbeiteten, auf beiden Seiten Ruhm und Ehre ohne Unterschied anzuerkennen und zu bestätigen.

Ich möchte diesen Ausflug in die Vergangenheit mit dem Beweis meiner anfänglichen Andeutung beenden.
Rund um das Pennsylvania Memorial finden sich die Gedenktafeln der gefallenen Soldaten, soweit bekannt. Eine dieser Steinplatten findet ihr nachfolgend abgebildet.
Ich kann mich täuschen, es können auch Menschen aus Österreich oder der Schweiz sein. Doch klingen einige Namen doch sehr vertraut und gewohnt für meine der deutschen Sprache entwöhnte Zunge, auch wenn bei einigen schon die Anpassung an die englische Sprache sichtbar wird.

Ich habe Gettysburg eingangs als „verschlafen“ bezeichnet. Nach meiner Zeitreise in das Schlachgetümmel von damals würde ich dieses Wort eher durch würdevoll, feierlich oder respektvoll ersetzen.


Es ist eine Stadt, die dem Gedenken und der Erinnerung gewidmet ist, ein wahres „home of the brave“ für die damals Gefallenen.

Montag, 25. Mai 2009

Chicago – Windy City am Memorial Day

Memento Mori, insbesondere und ausschließlich der amerikanischen Soldaten, die im Einsatz auf der ganzen Welt für das meist weit entfernte Vaterland ihr Leben gelassen haben. Darum geht es kurz zusammengefasst am Memorial Day, einem offiziellen Feiertag über alle Branchen hinweg. Das damit verlängerte Wochenende haben wir für einen 4 Tages-Trip nach Chicago genutzt. Dort durften wir die Bedeutung des Memorial Days für die Vereinigten Staaten live miterleben, doch dazu später mehr.

Chicago verdankt seinen Nickname „Windy City“ der direkten Lage am Lake Michigan, der uns am ersten Tag vor widrigen Winden und Böen verschonte, jedoch am zweiten Tag frei Haus und ohne Bestellung die Bezeichnung rechtfertigte.Die einzigartige Skyline wurde bereits in vielen Filmen verewigt, angefangen von den Gangster Filmen aus der Zeit der "Großen Depression" bis hin zu aktuellen Werken, die für ihre Handlung wirkungsvoll den Charakter der Stadt nutzen.
Mein Richtungsweiser war eher der Film „Blues Brothers“, falls den jemand kennt.

Neben den glänzenden, hochaufragenden Fassaden des Sears Towers und Konsorten findet man in den dazwischen liegenden Schluchten die damalige Leinwand des Films. Seien es nun die rot-schwarzen Ziegelsteinbauten oder die dicht daran vorbeifahrenden Metro-Züge – so sehr sich der Wohlstand auch in den Himmel streckt, am Boden findet man ein ganz anderes Leben. In einer dieser Nebenstraßen hatte ich auch einige unschöne Erlebnisse mit Obdachlosen, doch würde ich das eher dem Zufall und nicht der Stadt zuschreiben, da mir dasselbe in jeder Großstadt hätte passieren können. Trotzdem würde ich empfehlen, nie allein die Schatten dieser Schluchten zu betreten (was ich getan habe, weil ich noch von einem bestimmten Laden was holen wollte). Vom Glück begleitet kam ich ohne größere Probleme heil wieder heraus und verzichtete für den Rest unseres Aufenthalts auf solche Solo-Abenteuer.

Nochmal zurück zu den architektonischen Glanzleistungen Chicagos, die das Herz der Stadt beschirmen. Sie sind für mich der Beweis, dass im Rückblick die Vergangenheit „besser“ aussieht.
Warum ich das sage?

Nun ja, gegen Ende des 19ten Jahrhunderts wurde der Stadtkern Opfer eines tagelangen, verheerenden Feuers, das nichts als Asche und Staub zurückließ. So schmerzlich und tragisch dieses Unglück auch war, ohne es und den darauf folgenden Aufschwung würde es die heute so bewunderten Wolkenkratzer nicht geben. Doch die Zeit geht weiter und mit ihr wechseln auch die Besitzer bzw. Mieter der Prachtbauten. Bestes Beispiel: Der Sears Tower, das höchste Bauwerk der Stadt und ehemals der Welt. Errichtet im Auftrag des Versandhandelskonzerns Sears & Roebuck, der schon vor Jahren aus Liquiditätsproblemen in kleinere Gebäude umziehen musste. Nur der Name des Gebäudes zeugt noch von der einstigen Vision und Macht des Unternehmens.

Nachdem ich der Skyline und den dahinter verborgenen Gesichtern Chicagos hoffentlich genug Tribut gezollt habe, wird es Zeit stramme Haltung anzunehmen und Jubelgeschrei für die amerikanischen Soldaten anzustimmen, derer an diesem Wochenende gedacht wurde.
Wir stolperten auf unserem Weg über die Magnificent Mile geradewegs in die Vorbereitungen einer Gedenk-Parade. Diese bestand aus zig Soldaten-Regimentern der verschiedensten Waffengattungen, von Marine über Heer bis hin zu Spezialeinheiten. Es waren hunderte von ihnen, alle in Uniform, begleitet von eigenen Musikcorps, die den Takt-Schritt vorgaben.
Nachfolgend möchte ich eine Beobachtung weitergeben, wobei mir hier bitte niemand unterstellen möge, ich wäre rassistisch oder dergleichen. Auf meinen Bildern und Videos, von denen ich euch eines für das „real life feeling“ beigefügt habe, ist eine Sache offensichtlich.



Grundsätzlich scheint die Mehrheit des Militärs aus Schwarzen zu bestehen, ich habe fast keine weißen oder sonstwie farbigen Soldaten gesehen. Und es ging nicht nur mir so, auch meine Begleiter bestätigten mir diesen Eindruck. Die wirtschaftliche Vergangenheit mag eine gewisse Rolle spielen, da die Stadt ein zentraler Motor für den US-Arbeitsmarkt war und viele Afroamerikaner aus den ärmeren Südstaaten nach Chicago kamen. Doch im Gegensatz zu den Hauptdarstellern war die Mehrheit der Zuschauer weiß. Es war wirklich krass, die in ihren Uniformen auf der Straße daher marschierenden, dunklen Soldatinnen und Soldaten zu sehen, die von überwiegend hellhäutigen Zuschauern gesäumt wurde.
Außerdem wurde mir einmal mehr deutlich, welche Bedeutung das Militär für die persönliche Zukunft von jungen Menschen besitzt. Ich habe viele ROTC-Einheiten (ROTC ist ein militärischer Zusatzkurs, den Schüler und Studenten wählen können, wobei sie im Gegenzug Stipendien erhalten) mit marschieren sehen, wobei die angehenden Soldaten fast alle jünger waren als ich. Ich betone abschließend nochmal, dass es sich hier nur um eine Momentaufnahme meinerseits handelte und absolut nicht als repräsentativ gilt.

Klar war nach diesem Paradieren und Flaggengeschwenke vor allem eins: USA ohne sein Militär ist wie Oberfranken ohne Bier. Vielleicht ein plumper Vergleich, aber er bezeichnet meiner Meinung nach dessen essentiellen Wert für die amerikanische Kultur.

Abschließend noch ein kleiner Schwenk zum Sport: Die Detroit Redwings haben die Playoff Series gegen die Chicago Blackhawks gewonnen und stehen nun im Finale des diesjährigen Stanley Cups gegen unsere erbittert kämpfenden Pittsburgh Penguins. Ich brauche kaum zu erwähnen, dass es der absolute Wahnsinn wäre, wenn nach dem Gewinn des Superbowls nun auch noch die NHL Trophäe nach Pittsburgh käme…und das beides während meines Aufenthalts. Das wird die kommenden drei Wochen auf jeden Fall spannend.

Let’s go Pens!

Dienstag, 28. April 2009

San Francisco – Was gibt’s da noch zu erzählen?

Jede Menge, obwohl ich bestimmt ohne weiteres behaupten kann, dass San Francisco zu den US Städten zählt, die weltweit am bekanntesten sind.

Warum ist das so?

Liegt es an den historischen Ursprüngen und dem Boom während der Zeit des Großen Goldrausches, an der strategisch (un)günstigen Lage am San Andreas Graben oder an all den Bewegungen, die hier ihren Ausgangspunkt hatten?

Zum einen ist es bestimmt eine Mischung aus all diesen Punkten, zum anderen schreibe ich es dem einzigartigen Flair dieser Stadt zu, das einen unmittelbar in seinen Bann zieht.

Neben der immerwährend in International Orange erstrahlenden Golden Gate Bridge zählten insbesondere Fisherman’s Wharf, Ashbury Haights und Union Square zu meinen erwähnenswerten Highlights.

San Francisco rangiert von der Anzahl meiner gemachten Bilder her weit vorne, daher lasse ich lieber diese Moment-Aufnahmen sprechen und nehme euch mittels kurzer Kommentare mit auf unserer Tour.

Es war nicht unser erstes Ziel, aber ich will trotzdem mit der schon oben erwähnten Brücke beginnen. Die Golden Gate Bridge ist das absolute Wahrzeichen der Stadt und daher wird auch alles getan, dass dieses Stahlskelett auf immerdar die Nord-Südverbindung über die Bucht von San Francisco bildet.
Ständig sind Maler dabei, die Bleifarbe zu erneuern, jeder Zentimeter der Brücke erhält im Schnitt alle zwei Wochen einen neuen Tupfer Farbe. Des Weiteren waren augenblicklich Baumaßnahmen im Gange, die Brücke (bestimmt nicht das erste Mal) erdbebensicher(er) zu machen.
Nachfolgend zwei Bilder der architektonischen Schönheit, einmal von der günstigen Südseite aus und einmal aus Richtung Norden, wo man bei der Rückfahrt den Brückenzoll entrichten muss.



Was ganz in der Nähe liegt und natürlich keinesfalls vergessen werden darf: Die ehemalige Gefängnis-Insel Alcatraz. Heute ein offizielles Naturschutzgebiet, der Eintritt ist umsonst, die Fahrt dahin natürlich nicht. Schlaues Konzept bei der sehr schwer zugänglichen Insel.
Falls hier einige Fans von "The Rock" mitlesen, ich habe ganz zufällig ein kleines Schmankerl entdeckt. Ich weiß gar nicht mehr, wie wir in diese Gegend gekommen sind (es war glaube ich auf dem Weg nach Chinatown), doch plötzlich standen wir vor diesem Hotel.

War voll begeistert, so aus dem Nichts vor dem ehemaligen Drehort zu stehen, wo Mr. Mason sich den nächstbesten Hummer schnappte, um diese Straße hinunter zu brettern ;).


Alle nicht sinnlos Action-Fans bitte ich für diesen kurzen Ausflug um Entschuldigung :P.

Weiter geht's mit einigen Eindrücken der Protz- und Prunkbauten der Stadt, als da wären das Rathaus mit der geklauten Kuppelkonstruktion des Petersdoms, die Skyline der City aus der Ferne sowie Union-Square, ehemals der San Francisco Debattierclub (von Lyrik bis hin zu politischer Stimmungsmache), heute das Zentrum der Einkaufsmeile. Rings herum türmen sich die Hochhäuser von Saks, Victoria's Secret, Macy's, usw. usf. und sorgen für lebhaftes Treiben, dessen Ruhepunkt der Platz mit seinen idyllisch angelegten Grasterassen ist.


Weiter geht's nach Ashbury-Haights, damals wie heute ein Kontrapunkt zu den darum liegenden Stadtteilen.
Auf dem Weg dorthin säumen wunderschöne Häuser die Gegend...

...bis man plötzlich hiervor steht...





...oder vor diesem Laden (ich durfte leider nicht rausfinden, was hier über die Theke verkauft wird, so bleibt nur meine Vermutung auf Basis der Auslagen, dass es sich um allerlei Zeugs handelt, was sonst nur unter der Theke den Besitzer wechselt.
Dazu die weiter-entwickelten Nachfahren der Hippies, umgeben von Anarchie-Literatur und eifrig dabei crunked zu werden. Für ein paar Dollar ist man am Start und kann aufspringen, sofern man zwischen Terpentin-Kanistern (es stank extrem nach diesem rauschigen Farbverdünner), Decken, jeder Menge Müll und Hunde(scheisse) noch Platz findet.

Abschließend noch ein Schwenk nach Fisherman's Wharf, wo San Francisco auf den Pazifik trifft.


Dieser ehemalige Hafen ist heute das Touristen-Zentrum schlechthin. Neben den üblichen Läden und interessanten Sonnenbrillen-Verkaufstricks haben wir auf einem Informationsschild einen Funken Wahrheit entdeckt, den ich recht amüsant finde.
Er bezieht sich auf das mittlere Bild der oberen Reihe, also auf die Seelöwen an Pier 39. Das Schild klärte kurz auf, seit wann die Tiere sich hier angesiedelt haben und wie sie so den Tag verbringen. Die meiste Zeit tun diese "Haustiere" nichts anderes, als nervtötenden Lärm zu veranstalten und zu stinken. Warum man diese Kolonie dann nicht umgesiedelt hat? Die verblüffend einfache Antwort steht ehrlich so dort: Weil es den Touristen gefällt ;).

Damit habt ihr's geschafft, unser Urlaub war damit leider vorbei und neben all den Geschichten und Erlebnissen nehme ich vor allem eines mit: Marion ist die Beste und ich war und bin überglücklich, dass sie diesen Urlaub mit mir unternommen hat.

Sonntag, 26. April 2009

Point Reyes National Seashore

Wir hatten durch unseren verkürzten Aufenthalt an der Küste Zeit gewonnen, so dass wir spontan noch einen Nationalpark besuchen konnten: Den Point Reyes National Seashore, ein Park der etwas nördlich von San Francisco liegt.

Der Eingangsbereich wartet mit Informationen über den San Andreas Graben sowie der daraus resultierenden Erdbebengefahr auf. Es werden sowohl die Auswirkungen des letzten großen Bebens gezeigt als auch erklärt, wie amerikanische (bitte betonen! :)) Wissenschaftler diesen Teil des Parks nutzen, um ihre Forschungen über Plattentektonik zur Sicherheit der Kalifornier vorantreiben. Unter dem Forschungs-Areal verläuft ein Teil des San Andreas Grabens, dessen Urgewalt nach Prognosen der Wissenschaft jederzeit wieder verheerende Erdbeben auslösen kann.
Für San Francisco ist diese geologische Verwerfung wie ein immerwährendes Damokles-Schwert, das jederzeit niederfallen kann, wie zuletzt im Jahr 1989.
So aufgeklärt über die uns umgebende Gefahr drangen wir trotzdem tiefer in den Park vor.

Unser Ziel: Das Point Reyes Lighthouse, hoch aufragend über dem Pazifik und der angeblich windigste Punkt Amerikas. An unserem Tag hatte es die durchschnittlichen 50 mph Böen, die sich bis weit über 100 mph steigern können.
Dies jedoch nur nebenbei, unser eigentlicher Grund für diesen Abstecher waren die zu dieser Jahreszeit vorbeiziehenden Grau- und Buckelwale. Direkt unterhalb des Leuchtturms ziehen während der Monate März und April diese Meeresriesen in Richtung Norden nach Alaska, um dort den Sommer zu verbringen. Die Sichtungsquote an diesem Tag war bereits überdurchschnittlich, so dass wir uns zu zahlreichen anderen Beobachtungstrupps gesellten.

Leider hatten wir kein Glück, nur einige Seelöwen zeigten sich, so dass ich euch leider keine Bilder von einer live Sichtung bieten kann.

Wir haben anschließend noch eine kleine Hikingtour über Rinderweiden (ja, auch dort leben Menschen, umgeben von Einsamkeit und abgeschnitten von der Außenwelt, nur das Jammern der Möwen und das Heulen des Windes leisten ihnen beständig Gesellschaft) zu einer Art Binnenmeer gemacht, das ich als eines der schönsten Landschaftspunkte meines Lebens in Erinnerung behalten werde.



Unser Rückweg nach San Francisco führte uns erneut über das Golden Gate, der Meerenge die den Pazifischen Ozean mit der Bucht von San Francisco verbindet, wo uns die untergehende Sonne die letzten Meter in die Stadt erhellte.

Samstag, 25. April 2009

Monterey – California coast we’re coming

Monterey an Kaliforniens Sonnenbank, der Ort, an dem wir zum ersten Mal den Pazifischen Ozean erblickten, eine noch verschlafene Touristenstadt, deren Hauptsaison frühestens in einem Monat beginnen wird.
Wie ich zu dieser Behauptung komme? Keine Sorge, uns war nicht derart langweilig, dass ich mich mit News und wirtschaftlichen Gegebenheiten auseinandergesetzt habe.
Es war viel einfacher und am besten knüpfe ich mit der Erklärung an unserer vorherigen Station Yosemite Nationalpark an.

Während unserer Zeit dort hatten wir milde Temperaturen um die 25 Grad Celsius dazu Sonnenschein und damit überhaupt keinen Grund über das Wetter zu meckern.
In Monterey erwartete uns zwar auch die Sonne, das aber bei 10-15 Grad und einem mitunter stürmischen Wind, der noch die eiskalte Luft des Pazifiks atmete.

Damit war wieder warme Kleidung angesagt statt in Badesachen am Strand zu relaxen. An den Stränden war außer uns auch niemand, nur einige Paragleiter, für die es optimale Bedingungen hatte (stetiger Wind, Sonnenschein und klarer Himmel sowie keine „störenden“ Sonnenanbeter).

Zum Glück hatten wir eine wetterunabhängige Alternative, das Monterey Bay Aquarium, das mitten am bzw. in das Meer hinein gebaut ist. Auch wenn die Tickets nicht günstig sind, ist es den Besuch wert.
Generell wird das Leben auf und unter der Wasseroberfläche gezeigt, wobei der Fokus auf der heimischen Fauna und Flora liegt.
Neben den wunderschön gestalteten Aquarien, in deren Dunkel man beharrlich starrt, um den weißen Hai oder andere Artgenossen zu entdecken, lädt die gesamte Anlage auf unterhaltsame Weise dazu ein, das Meer zu entdecken und zu erleben. Sei es nun indem man verschiedene Pflanzen und Tiere anfasst (oder wie manche Kinder isst ;)) oder anhand kleiner Wissens-Spiele versucht, sich das Leben in den Tiefen des Meeres vorzustellen.

Besonders beeindruckend fand ich, dass mit erheblichem Aufwand versucht wird, natürliche Gegebenheiten in den Becken zu simulieren, wie z.B. den Seegang durch einen Wellengenerator.



Abgerundet wird das ganze durch eine langgezogene Außenterrasse, von wo man mindestens Seelöwen und Otter sieht und mit etwas Glück angeblich sogar vorbeiziehende Wale oder heimische Haie.
Für Bilder von den Ausstellungsräumen taugte meine Digitalkamera nicht, also habe ich’s gelassen. Wer mehr Infos bzw. Live-Eindrücke haben möchte, findet unter folgendem Link eine gewisse Auswahl: http://www.montereybayaquarium.org/efc/cam_menu.asp

Ursprünglich hatten wir vor auch noch die benachbarten Küstenstädte Carmel und Big Sur zu besuchen, aber da dort das Wetter ähnlich war, haben wir uns vorzeitig gen Norden aufgemacht und strebten der letzten Station dieser Reise entgegen: Die nach dem heiligen Franziskus von Assisi benannte Metropole San Francisco.

Mittwoch, 22. April 2009

Yosemite Nationalpark – In einem Land vor unserer Zeit

Es hat lange gedauert und uns viele Nerven gekostet, dieses „Land“ zu erreichen. Wir kamen wie beschrieben aus Richtung Death Valley, näherten uns Yosemite also von der Ostseite her. In der ganzen Gegend gibt es auf hunderten von Meilen nur eine Ost-West-Verbindung (sozusagen eine einzige A3 ;)) und die führt mitten durch den Yosemite Nationalpark: Die Tioga Road. Der Name dieser Straße wird für mich immer mit diesem Bild verbunden sein, das zigmal plötzlich vor uns auftauchte:
Es waren angenehme, milde 25 Grad Celsius mit Sonnenschein, doch diese Straße ist nach wie vor wegen Schnee gesperrt. Okay, die Berge des Parks erreichen locker über 2000m Höhe, aber nachdem uns gewöhnliche Parkwächter-Fahrzeuge sowie Motorräder (die passen nämlich problemlos an der Absperrung vorbei) immer wieder aus dieser Richtung entgegengekommen sind, fragte ich mich schon, was es mit dieser Warnung vor meterhohen Schneedecken und dadurch unpassierbaren Straßen auf sich hat.
Aber gut, die einzige Alternative bestand darin, den Park komplett zu umfahren, was uns den ganzen Tag gekostet hat, statt wie geplant nur den Vormittag.

Mehr gibt es über den ersten Tag damit wirklich nicht zu erzählen, das ganztägige Fahren alleine forderte seinen Tribut, obwohl wir abends trotzdem noch den (zugegeben doch sehr umständlichen) Umweg durch den Park genommen haben.

Begrüßt wurden wir nach ewiger Kurvenfahrt durch den davor liegenden Wald von diesem Ausblick auf das Yosemite Valley.
Bei dem Wasserfall in der Ferne müsste es sich um die Bridalview Falls handeln, von denen wir später weitaus „intimere“ Eindrücke gewinnen konnten.

Für den nächsten Tag hatten wir uns vorgenommen, durch den Südteil des Parks zu streifen. Dort wachsen die berühmten Sequoias, die teilweise seit Jahrtausenden diesen Teil des Parks überragen. Mitten zwischen dem „Niedriggewächs“ tauchen völlig willkürlich die rot schimmernden Riesen auf.

Im Schatten dieser Bäume wird man zwangsläufig von Ehrfurcht ergriffen. Die Erfahrung eines Menschenalters wirkt geradezu lächerlich im Vergleich zu der Zeitspanne und den Veränderungen, die diese Bäume gesehen haben.

Um möglichst viele dieser Redwoods zu erhalten, simuliert die Parkverwaltung die Natur nach („hilft der Natur“ ist der offizielle Wortlaut, was für ein Witz ;)), indem abgesteckte Flächen total niedergebrannt werden, um die schneller wachsende Konkurrenz auszuschalten.

So sollen sonnige Flächen sowie ausreichend Nährstoffe für zukünftige Sequoias geschaffen werden, deren einzige Schwäche die nicht sehr tief reichenden Wurzeln sind. Stürme und heftige Winde sind nach offizieller Behauptung die einzige Bedrohung, wohingegen Feuer, Schädlinge, Krankheiten, etc. den Bäumen nichts anhaben können.

Neben den Redwoods haben wir natürlich Yosemite Valley selbst einen Besuch abgestattet, dem Tal der Wasserfälle.

Um mich hier kurz zu fassen: Das absolut beeindruckendesde ist die Nähe, die den Besuchern zu den Wasserfällen ermöglicht werden.



Neben den Bildern noch ein kleiner Videoausschnitt, bei dessen Anschauen ihr euch bitte noch den starken Luftzug sowie den eiskalten Nieselregen des vor einer Sekunde noch 100m höher gewesenen Gebirgswassers vorstellen müsst.



Näher ran konnte ich nicht, da ich zum einen schon in dieser Entfernung Probleme hatte, die Kamera ruhig zu halten und zum anderen, weil es die Geräteelektronik wohl kaum überlebt hätte.

Die Frage, die sich zum Beginn dieses Posts vielleicht angedeutet hat, ob sich die Fahrerei denn gelohnt hat, lässt sich zweifelsfrei mit „JA“ beantworten. Der Park ist ein Traum zum Hiken, er bietet unzählige Möglichkeiten sich an der bloßen Umgebung zu erfreuen und erweckt die wilde Romantik fernab von Betonbauten, Lärm und Schmutz zu leben….dort, in einem Land vor unserer Zeit.

Dienstag, 21. April 2009

Nachtrag zu Death Valley - Die Weiterfahrt

Auf unserer Weiterfahrt zu unserer Zwischenstation (eine kleine Stadt namens Bishop, CA) zum Yosemite Nationalpark haben wir die Ängste und existentielle Bedrohung der Pioniere in geringerer Dosis nachfühlen können: Uns ging das Benzin aus.

Es gab nur ein Schild, das uns durch die auch Richtung California menschenleere Gegend schickte und nur verkündete, dass die nächste Tankmöglichkeit 60 Meilen entfernt ist. Während wir mit ansahen, wie der Tank immer leerer wurde und kein einziges menschliches Zeichen in der gebirgigen Einöde sichtbar wurde, stellten wir uns innerlich schon auf eine Nacht draußen ein (Handyempfang gibt es dort übrigens auch nicht). Wir hatten schon mehrere Geisterdörfer passiert und unser Schicksal schien fast besiegelt (ich wartete darauf, dass der Motor jeden Augenblick das Stottern anfängt), tauchte Deep Springs auf, eine kleine Ansammlung von Gebäuden am Horizont.Dort wurden wir mit wissendem Lächeln begrüßt und erhielten aus der hauseigenen Zapfanlage genug Sprit, um die restliche Fahrtstrecke nach Bishop zu schaffen.
Dazu noch die Überraschung: Deep Springs ist ein College, mitten im Nirgendwo, total isoliert von der Außenwelt. Hauptfokus liegt dort nach Aussage des uns weiterhelfenden Studenten auf Philosophie.Herzlichen Dank Deep Springs, wir werden euch nie vergessen!